Sag mir, hast du auch Fernweh?

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Atlixco, Mexiko. 2015.                                                                      ©Vanesa Heilig

Dieses Gefühl, das immer wieder aufkommt, wenn Leute über Reisen und deren persönliche Entwicklung dabei reden, gestaltet sich manchmal als unerträglich. Am liebsten würde man seine sieben Sachen zusammenpacken und wieder losziehen. Einfach aufbrechen, egal ob mit dem Auto, Zug, Bus oder Flugzeug und mit dem Ziel sich auf neue Abenteuer zu begeben und das Fernweh zu lindern.
Das ist der „Nachteil“ als Kind einer reisefreudigen Familie. Und nein natürlich ist es kein Nachteil an sich, weil man gelernt hat stets offen gegenüber anderen Kulturen und Menschen zu sein. Man hat gelernt lange Reisen in alten, staubigen Busse und halbfertige Straßen auszuhalten. So wie es eben ist, als waschechtes bolivianisches Kind. Hierbei setzt man als Orte zum Ausruhen natürlich nicht auf Fünf-Sterne-Hotels, sondern auf einfache Hostels oder gar aus Lehm gebaute Häuser. Wer braucht schon materieller Luxus, wenn man Luxus einer ganz anderen Art besitzt? Dieser Luxus pure Lebensfreude zu genießen und zu wissen, man hat die Möglichkeit an genau solchen Orten aufzuwachen und etwas zu erleben, was vielen Menschen vorenthalten bleibt.
Trotzdem habe ich mir die Frage gestellt, weshalb manche Menschen sich mit Fernweh „quälen“ während andere der Heimat-Typ sind.

Generation Wanderlust

Der Begriff „Wanderlust“, welcher für den Wunsch stets zu reisen steht, verfolgt uns mittlerweile überall und ich habe den Eindruck, vor allem wir 90er Kinder haben diesen Begriff sehr geprägt und in der Gesellschaft in einem ganz neuen Aspekt etabliert. Während es sich früher auf das Wandern in der Natur bezog, steht er heute für unser Fernweh. Für diese Nostalgie los zu ziehen und Länder für sich zu entdecken und natürlich dabei interessante Menschen kennen zu lernen. Seit kurzem gibt es sogar eine wissenschaftliche Studie, die den umgangssprachlich genannten „Wanderlust-Gen“ erklärt. Das DRD4-7R-Gen, tragen nur 20% der Bevölkerung. Die Träger dieses Gens neigen eher dazu aufzubrechen und neue Länder und Kulturen zu entdecken. Aber sie neigen auch dazu nach dem Motto „No Risk, No Fun“ zu leben. Das erklärt natürlich manche nächtlichen Entscheidungen, die ich in meinem Auslandsjahr getroffen habe…Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.

Vielleicht ist wirklich das „Wanderlust-Gen“ für das Fernweh verantwortlich oder auch einfach nur unsere Neugier. Diese Neugier, die in jedem schlummert und immer auf der Lauer ist. Bei manchen –wie zum Beispiel bei mir- ist sie ausgeprägter, bei anderen eben nicht. Menschen, die es lieben zu reisen, ohne den materiellen Luxus-Anspruch, sind meinen Eindrücken und Erfahrungen nach, hauptsächlich von ihrer Neugier getrieben. Diese Neugier treibt uns in die Arme des Unbekannten, das nur auf uns gewartet hat. Es ist ein menschlicher Impuls, den wir in uns tragen, nur nicht uns weiter zu bilden, sondern auch zu überleben und daran zu wachsen.
Die Welt da draußen wartet also darauf von uns erforscht zu werden? Ich persönlich glaube, dass wir diejenigen sind, die darauf warten sie zu erforschen. Mancher mit sehr viel Erfolg, andere wiederum nicht. Die Welt wird noch eine Weile da sein, aber wir nicht. Deshalb, sollten wir uns nicht vorenthalten unsere Neugier nach Unbekanntem zu folgen, mit oder ohne „Wanderlust-Gen“.

„Die Glücklichen sind die Neugierigen“, Friedrich Nietzsche.

Fernweh ist also etwas Gutes. Reisen ist etwas Gutes. Frei leben ist etwas Gutes.

Also sag mir, hast du auch Fernweh?

Vanesa

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